Was ist Bekehrung? (5)
Wohin wir uns bekehren müssen

Charles Henry Mackintosh

© SoundWords, online seit: 10.09.2016, aktualisiert: 10.09.2018

Die positive Seite der Bekehrung

Wir kommen jetzt zu dem, was wir die positive Seite einer wahren Bekehrung nennen können. Wir haben gesehen, dass es eine Bekehrung von den Götzenbildern ist, eine Bekehrung von allen jenen Gegenständen, die unsere Herzen beherrschten und unsere Zuneigungen besaßen, von den Eitelkeiten und Torheiten, den Lüsten und Vergnügungen, aus denen unser Leben in den Tagen der Finsternis und Blindheit bestand. Es ist, wie wir in Apostelgeschichte 26,18 lesen, eine Bekehrung von der Finsternis und von der Gewalt Satans und wie der Apostel in Galater 1,4 sagt, eine Bekehrung von diesem gegenwärtigen, bösen Zeitlauf.

Doch eine wahre Bekehrung ist mehr als das. Dies ist gleichsam nur die negative Seite der Bekehrung. Ohne Zweifel ist es eine bewunderungswürdige Gnade, ein für alle Mal befreit zu sein von der Bosheit und moralischen Versunkenheit unseres früheren Lebens, von der schrecklichen Sklaverei des Gottes und Fürsten dieser Welt; herausgenommen zu sein aus einer Welt, die in dem Bösen liegt; befreit von dem Wohlgefallen an der Sünde – von all den niederträchtigen Vorlieben, die uns einst beherrschten. Wir können für alles, was von dieser Seite der Frage eingeschlossen wird, nicht dankbar genug sein.

Aber wir wiederholen es noch einmal: Wahre Bekehrung ist weit mehr als das. Wenn wir mit der Welt und unserem eigenen Ich gebrochen haben, wenn wir unsere früheren Vergnügungen und Zerstreuungen aufgegeben haben, wenn wir, mit einem Wort, allem Lebewohl gesagt haben, was unser Leben in dieser Welt ausmachte, was erhalten wir an die Stelle aller dieser Dinge?

Zu Gott gebracht

Unser Kapitel gibt uns mit einem Wort eine klare, bestimmte und erschöpfende Antwort auf diese Frage: „Ihr habt euch bekehrt zu Gott.“

Großartige Antwort! Ja, unaussprechlich für alle, die ihre Bedeutung und Tragweite in etwa verstehen. Was habe ich für meine früheren Götzenbilder erhalten? Gott. Für die eitlen und sündhaften Vergnügungen dieser Welt? Gott. Für ihre Reichtümer, Ehren und Auszeichnungen? Gott. Was bekam der verlorene Sohn statt der Lumpen des fernen Landes? Das vornehmste Kleid aus dem Haus des Vaters. Statt der Träber, die die Schweine fraßen? Das gemästete Kalb. Statt des erniedrigenden Dienstes in dem fernen Land? Die Küsse, das Herz und den Tisch des Vaters.

Ist das nicht ein herrlicher Tausch? Besitzen wir nicht in der bekannten, aber unveränderlich schönen Geschichte des verlorenen Sohnes eine treffende und eindringliche Darstellung von einer wahren Bekehrung? Was für eine Veränderung, welch eine vollkommene Umkehr entdecken wir da! Keine menschliche Zunge kann die Gefühle beschreiben, die den Zurückkehrenden bestürmt haben müssen, als der Vater ihn an sein Herz drückte und ihm seine ganze Liebe und Güte offenbarte. Die Lumpen, die Traber, die Sklaverei, der Mangel, der Hunger, die Not, alles, alles hatte ein Ende, für immer ein Ende; und stattdessen genoss er die unaussprechliche Freude, im Haus des Vaters, in der Heimat zu sein, und er hatte das selige Bewusstsein, dass der ganze festliche Jubel, der ihn umgab, durch seine Rückkehr hervorgerufen war, ja dass es seinen Vater glücklich machte, ihn zurückerhalten zu haben.

Vielleicht möchte jemand einwenden, dies alles sei nur ein Bild. Ganz recht, aber was stellt dieses Bild vor? Es stellt eine großartige, göttliche Wirklichkeit vor; es ist ein Bild von dem, was bei jeder wahren Bekehrung vorgeht, sobald wir sie von einem himmlischen Gesichtspunkt aus betrachten. Bekehrung ist nicht nur ein bloßes Aufgeben der Welt mit allen ihren Eitelkeiten und Torheiten. Sie schließt das natürlich ein, aber ist weit mehr als das. Sie ist eine Verbindung mit Gott, eine Einführung in das Vaterhaus, in die Familie; gemacht – nicht nur in der Sprache eines nutzlosen Ritualbuches, sondern in der Kraft des Geistes und durch das mächtige Wirken des Wortes – zu einem Kind Gottes, einem Glied Christi und zu einem Erben des Königreiches.

Dieses ist wahre Bekehrung. Möchte der Leser die Wahrheit des Gesagten völlig verstehen! Möchte er sich nicht mit etwas Geringerem begnügen als mit dieser großen Wirklichkeit, dieser Bekehrung von der Finsternis zum Licht, von der Macht Satans und dem Götzendienst zu Gott. Der Christ ist jetzt schon so wirklich zu Gott gebracht, als wäre er bereits im Himmel. Dies mag vielleicht manchem als zu extrem erscheinen, aber es ist eine gesegnete Wahrheit. Der Apostel Petrus sagt in Bezug auf diesen Punkt: „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns“ – in den Himmel bringe, wenn wir sterben? O nein, sondern: „… damit er uns zu Gott führe“ (1Pet 3,18), jetzt, in der gegenwärtigen Zeit. Ebenso lesen wir in Römer 5,10.11: „Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.“

Das ist eine großartige Grundlage. Menschliche Sprache kann nicht alles ausdrücken, was alles in den Aussagen „umgekehrt“ oder „zu Gott gebracht“ enthalten ist.

Unser anbetungswürdiger Herr bringt alle, die an seinen Namen glauben, in die Gegenwart Gottes, und zwar in seiner eigenen vollkommenen Annehmlichkeit. Er bringt uns in dieselbe Stellung, die Er vor Gott hat.

Fülle von himmlischem Segen

Er vereinigt uns mit sich selbst und lässt uns an allem teilnehmen, was Er hat und was Er ist, ausgenommen natürlich seine Gottheit. Wir sind völlig mit Ihm einsgemacht.

  • Joh 14,19: Noch eine kleine Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich: Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

Und wiederum:

  • Joh 14,27: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam.

  • Joh 15,11: „Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.

  • Joh 15,15: Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; aber ich habe euch Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört, euch kundgetan habe.

So lesen wir auch in jenem Gebet des Herrn in Johannes 17:

  • Joh 17,18-24: Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und haben geglaubt, dass du mich gesandt hast. Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein, (und alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, mein), und ich bin in ihnen verherrlicht. … Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, gleichwie ich nicht von der Welt bin. … Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt … Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, damit sie eins seien, gleichwie wir eins sind; ich in ihnen und du in mir, damit sie in eins vollendet seien und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater! – und die Welt hat dich nicht erkannt; ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.

Höherer und größerer Segen ist nicht auszudenken. Völlig einsgemacht zu sein mit dem Sohn Gottes, die Liebe zu teilen, mit der Er von dem Vater geliebt ist, teilzuhaben an seinem Frieden, seiner Freude und seiner Herrlichkeit, das ist der höchste Charakter, das höchste Maß der Segnung, mit dem ein Geschöpf gesegnet werden kann. Errettet zu sein von den Schrecken einer ewigen Verdammnis, gereinigt, gewaschen, gerechtfertigt; wieder eingeführt zu sein in all das, was Adam verlor, und in irgendeinem Charakter in den Himmel eingeführt zu sein – das wäre schon eine bewunderungswürdige Gnade, eine unermessliche Güte und Liebe. Aber zu Gott gebracht zu sein in der ganzen Annehmlichkeit seines geliebten, eingeborenen Sohnes, auf das Innigste mit Ihm vereinigt zu sein in seiner Stellung vor Gott und dereinst in seiner Herrlichkeit – das ist etwas, was nur das Herz Gottes ausdenken und nur seine Macht ausführen konnte.

Dies alles ist also eingeschlossen in der Bekehrung, von der wir sprechen. So herrlich ist die Gnade Gottes, so groß die Liebe, mit der Er uns geliebt hat, als wir noch tot waren in Vergehungen und Sünden, Feinde nach unserer Gesinnung in den bösen Werken, als wir mancherlei Lüsten und Wollüsten dienten, als wir Götzendiener, blinde Sklaven Satans und Kinder des Zorns waren und den breiten Weg wandelten, der in der ewigen Verdammnis endet.

Doch das Größte von allem ist, dass es sowohl den Namen Gottes verherrlicht als auch sein Herz erfreut, uns in diesen Platz unaussprechlicher Segnung, Liebe und Herrlichkeit einzuführen. Die Liebe seines Herzens würde es nicht befriedigen, uns einen niedrigeren Platz zu geben als seinem eigenen Sohn. Der Apostel konnte im Blick auf diesen wunderbaren Reichtum der Gnade wohl ausrufen:

  • Eph 1,3-7: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe; und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, womit er uns begnadigt hat in dem Geliebten, in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade.

Was für eine unergründliche Liebe, was für eine Fülle von Segnung finden wir hier! Es ist der Vorsatz Gottes, sich in den endlosen Zeitaltern der Ewigkeit durch seine Wege und Handlungen mit uns zu verherrlichen. Er will angesichts des ganzen Weltalls den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade in Güte gegen uns in Christus Jesus erweisen. Unsere Vergebung und Rechtfertigung, unsere vollkommene Befreiung, unser Angenehmsein vor Gott, alle die Segnungen, die uns in Christus Jesus geschenkt sind, alles das wird in den kommenden Zeitaltern zur Entfaltung der göttlichen Herrlichkeit dienen. Es würde, wie bereits bemerkt, den Ansprüchen der Herrlichkeit Gottes nicht genügen und den Zuneigungen seines Herzens nicht entsprechen, wenn wir einen anderen Platz einnähmen als sein geliebter Sohn.

Dies alles ist so wunderbar, dass es fast unglaublich erscheint. Jedoch es ist Gottes würdig und es ist sein Wohlgefallen, in dieser Weise gegen uns zu handeln. Das ist genug für uns. Sicher wäre es zu groß und zu herrlich, ja unmöglich, wenn wir es selbst erlangen oder erwerben sollten, aber es ist nicht zu groß für Gott, um es uns zu schenken. Er handelt mit uns nach der Liebe seines Herzens und aufgrund der Würdigkeit Christi. Der verlorene Sohn mochte bitten, ihn zu einem Tagelöhner zu machen; aber dies war völlig unmöglich. Es wäre nicht den Gefühlen des Vaterherzens entsprechend gewesen, ihn als einen Tagelöhner in seinem Haus zu haben. Er musste als Sohn dort sein oder gar nicht. Handelte es sich um unser Verdienst, so würden wir ebenso wenig auf den Platz eines Tagelöhners Anspruch machen können als auf den eines Sohnes. Aber – Gott sei gepriesen! – Er handelt nicht nach unseren Verdiensten, sondern nach der überströmenden Liebe seines Herzens und zum Preise der Herrlichkeit seines Namens.

Das also ist wahre Bekehrung. Wir sind zu Gott gebracht und nichts weniger als das. Wir sind nicht allein von unseren Götzen, welcher Art sie auch sein mochten, bekehrt worden, sondern wir sind tatsächlich in die Gegenwart Gottes selbst gebracht, um unsere Freude in Ihm zu finden, uns seiner zu rühmen, mit Ihm zu wandeln, alle unsere Quellen in Ihm zu haben, uns zu laben an dem unerschöpflichen Born seiner Liebe und in Ihm eine vollkommene Antwort auf alle unsere Bedürfnisse und Schwierigkeiten zu finden, so dass unsere Seelen für immer und ewig befriedigt sind.

Was ist deine Antwort auf den Segen Gottes?

Wollen wir nun zu den Götzenbildern zurückkehren? Niemals! Haben wir irgendein Verlangen nach den Dingen, die uns früher beschäftigten? Wenn wir unsere Stellung und unser Teil in Christus kennen und verwirklichen sicher nicht. Hatte der verlorene Sohn noch irgendein Verlangen nach den Schweinen und ihren Trabern, als er in den Armen des Vaters lag, als er mit dem besten Kleid angetan war und am Tisch des Vaters saß? Das können wir unmöglich glauben. Wir können uns nicht denken, dass seinen Lippen ein einziger Seufzer nach dem fernen Land entschlüpft sei, als er sich in jenem herrlichen und gesegneten Haus der Liebe befand.

Wir sprechen in Übereinstimmung mit den göttlichen Richtlinien. Leider gibt es heutzutage so viele, die bekennen, bekehrt zu sein, und auch eine Zeitlang gut vorangehen, wie es scheint, die dann aber bald beginnen, kälter und kälter, müde und unzufrieden zu werden. Das Werk in ihren Seelen war kein wirkliches. Sie waren nicht in Wahrheit zu Gott gebracht. Sie mögen in etwa ihre Götzenbilder für eine Zeit lang aufgegeben haben, aber Gott selbst haben sie nicht erreicht. Sie haben nie in Ihm ein Teil gefunden, das ihre Herzen befriedigte, haben nie die wahre Bedeutung der Gemeinschaft mit Ihm erkannt, nie die Befriedigung und die Ruhe des Herzens in Christus geschmeckt. Das arme, unbefriedigte Herz begann daher nach Verlauf einiger Zeit sich wieder nach der Welt zu sehnen; sie gingen zurück und verfielen in größerem Maß als je in ihre Torheiten und Eitelkeiten.

Solche Fälle sind sehr betrübend und entmutigend. Sie bringen große Schmach auf den Namen Christi und dienen ängstlich forschenden Seelen oft zum Hindernis. Doch sie verändern nichts an der Wahrheit; sie lassen die Frage der göttlichen Bekehrung unberührt. Die wirklich bekehrte Seele ist nicht eine, die sich nur von der gegenwärtigen bösen Welt mit all ihren Versprechen und Ansprüchen abgewandt hat, sondern eine, die durch die wertvolle Arbeit des Heiligen Geistes dahin geleitet wurde, in dem lebendigen Gott und in seinem Sohn Jesus Christus alles zu finden, was sie möglicherweise für Zeit und Ewigkeit würden haben wollen. So eine Person hat mit der Welt göttlich abgeschlossen. Sie hat mit ihr für immer gebrochen. Sie hat ihre Augen öffnen lassen, so dass sie immer mehr die ganze Sache sehen kann. Sie hat sie im Licht der Gegenwart Gottes gerichtet. Sie hat die Sache mit dem Maßstab des Kreuzes Christi gemessen. Sie hat sie mit der Waage des Heiligtums gewogen und ihr für immer den Rücken zugekehrt, um in der Person dieses gesegneten Einen – der ans Fluchholz genagelt wurde, um sie nicht nur vom ewigen Feuer, sondern auch von der gegenwärtigen bösen Welt zu überliefern – ein packendes und beherrschendes Ziel zu finden.

Was bedeuten irdische Segnungen gegenüber den himmlischen?

Je mehr wir uns mit 1. Thessalonicher 1,9 beschäftigen, umso mehr müssen wir die Tiefe, Fülle und Kraft dieses Verses bewundern. Wie viel ist in den wenigen Worten „von den Götzenbildern zu Gott bekehrt“ enthalten! Verstehen wir wirklich ihre volle Bedeutung und Kraft? Es ist eine herrliche Sache für die Seele, zu Gott gebracht zu sein – Ihn zu kennen als unseren Zufluchtsort in allen unseren Schwachheiten und Nöten, als die Quelle unserer Freude, als unsere Kraft und unseren Schild, unseren Führer und Tröster, als unser alles in allem, ganz und gar auf Ihn geworfen und von Ihm abhängig zu sein.

Mein lieber Leser, kennt dein Herz die Großartigkeit all dieser Dinge? Wenn du ein Kind Gottes, eine wahrhaft bekehrte Seele bist, so ist es dein glückseliges Vorrecht, sie zu kennen, und du solltest ohne sie nicht zufrieden sein. Nichts anderes kann das menschliche Herz zufrieden und glücklich machen als Gott allein. Die ganze Welt ist nicht imstande, die Wünsche des Herzens zu befriedigen und seine Begierden zu stillen. Besäßen wir alle Reichtümer und Schätze der Welt und ständen uns alle Genüsse, die der Reichtum bieten kann, zu Gebote, das Herz würde dennoch mehr verlangen; es würde stets eine traurige Leere zurückbleiben, die nichts auf Erden ausfüllen kann.

Betrachten wir die Geschichte Salomos. Hören wir ihn seine eigenen Erfahrungen mitteilen:

  • Pred 1,12–2,11: Ich, der Prediger, war König über Israel zu Jerusalem. Und ich richtete mein Herz darauf, alles mit Weisheit zu erforschen und zu erkunden, was unter dem Himmel geschieht: eine üble Beschäftigung, die Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich damit abzuplagen. Ich habe alle die Taten gesehen, die  unter der Sonne geschehen; und siehe, alles ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind. Das Krumme kann nicht gerade werden, und das Fehlende kann nicht gezählt werden.

    Ich sprach in meinem Herzen und sagte: Siehe, ich habe Weisheit vergrößert und vermehrt über alle hinaus, die vor mir über Jerusalem waren, und mein Herz hat Fülle von Weisheit und Erkenntnis gesehen; und ich habe mein Herz darauf gerichtet, Weisheit zu erkennen und Unsinn und Torheit zu erkennen: Ich habe erkannt, dass auch das ein Haschen nach Wind ist. Denn bei viel Weisheit ist viel Verdruss; und wer Erkenntnis mehrt, mehrt Kummer.

    Ich sprach in meinem Herzen: Wohlan denn, ich will dich prüfen durch Freude, und genieße das Gute! Aber siehe, auch das ist Eitelkeit. Zum Lachen sprach ich, es sei unsinnig; und zur Freude, was sie denn schaffe! Ich beschloss in meinem Herzen, meinen Leib durch Wein zu pflegen, während mein Herz sich mit Weisheit leitete, und es mit der Torheit zu halten, bis ich sähe, was den Menschenkindern gut wäre, unter dem Himmel zu tun die Zahl ihrer Lebenstage. Ich unternahm große Werke: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge; ich machte mir Gärten und Parkanlagen und pflanzte darin Bäume von allerlei Frucht; ich machte mir Wasserteiche, um daraus den mit Bäumen sprossenden Wald zu bewässern. Ich kaufte Knechte und Mägde und hatte Hausgeborene; auch hatte ich einen großen Besitz an Rind- und Kleinvieh, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. Ich sammelte mir auch Silber und Gold und Reichtum der Könige und Landschaften; ich verschaffte mir Sänger und Sängerinnen und die Wonnen der Menschenkinder: Frau und Frauen. Und ich wurde groß und größer, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. Auch meine Weisheit blieb mir. Und was irgend meine Augen begehrten, entzog ich ihnen nicht; ich versagte meinem Herzen keine Freude, denn mein Herz hatte Freude von all meiner Mühe, und das war mein Teil von all meiner Mühe. Und ich wandte mich hin zu allen meinen Werken, die meine Hände gemacht, und zu der Mühe, womit ich wirkend mich abgemüht hatte; und siehe, das alles war Eitelkeit und ein Haschen nach Wind; und es gibt keinen Gewinn unter der Sonne.

Das ist das Urteil über alle irdischen Hilfsquellen aus dem Mund eines Mannes, der alles besaß, was die Erde bieten kann; dem es vergönnt war, den Becher menschlicher und irdischer Freuden bis zur Neige zu leeren. Was war alles? „Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.“ – „Alle Dinge mühen sich ab: Niemand vermag es auszusprechen. Das Auge wird des Sehens nicht satt und das Ohr nicht voll vom Hören“ (Pred 1,8). Das arme menschliche Herz kann nimmermehr durch das befriedigt werden, was diese Erde ihm geben kann. Irdische Wasser können den Durst der unsterblichen Seele nicht löschen. Die Dinge dieser Erde könnten uns, selbst wenn sie unvergänglich wären, unmöglich wahrhaft glücklich machen. „Alles ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.“

Jeder Mensch muss früher oder später die Wahrheit dieses Ausspruches erfahren. Der Mensch mag jetzt sein Ohr davor verschließen; er mag sich weigern, auf die warnende Stimme des Geistes zu hören; er mag sich einbilden, dass diese Welt ihm wahren Trost und wahres Glück verleihen könne; er mag auf das Eifrigste nach ihren Reichtümern, Ehren, Auszeichnungen und Vergnügungen haschen, aber er wird die Erfahrung machen müssen, dass ihn nichts befriedigen kann, dass alles eitel ist. Wie schrecklich aber, wenn er zu spät zu dieser Erkenntnis kommt, wenn er, gleich dem reichen Mann in dem Gleichnis, seine Augen öffnet in der Qual des ewigen Feuers! Wer könnte die Schrecken einer Seele beschreiben, die sich für ewig aus der Gegenwart Gottes verbannt und in die äußerste Finsternis, an den Ort versetzt sieht, wo das Weinen, das Heulen und das Zähneknirschen ist? Schon der Gedanke daran ist erschütternd. Was aber wird die Wirklichkeit sein? Was wird es sein, sich einst in den folternden Qualen der Hölle wiederzufinden, an der anderen Seite jener unübersteiglichen Kluft, wo niemals ein einziger Hoffnungsstrahl die dichte, schreckliche Finsternis der Ewigkeit durchdringen wird?

Wenn doch die Menschen beizeiten an diese schrecklichen Dinge denken und dem kommenden Zorn entfliehen möchten, ehe es zu spät ist! Aber der Gott dieser Welt hat ihren Sinn verblendet, „damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, der das Bild Gottes ist“ (2Kor 4,4). Er fesselt sie mit Dingen der Gegenwart – Geschäften, Gewinnstreben, Vergnügungen, Sorgen, Lüsten, mit allem nur möglichen, außer dem einen, mit dem verglichen alle irdischen Dinge nichts als Staub auf der Waage sind.

Wenn wir nicht auf Gott allein vertrauen

Doch kehren wir zu unserem Gegenstand zurück. Es ist unser sehnlicher Wunsch, dem christlichen Leser ans Herz zu legen, wie außerordentlich wichtig es ist, alle seine Hilfsquellen in dem lebendigen Gott zu finden. Wir haben uns nur einen Augenblick von diesem Punkt entfernt, um jeden Unbekehrten und Sorglosen, dem diese Zeilen in die Hände fallen möchten, ein Warnungswort zuzurufen. Wir bitten ihn ernstlich, sich zu Gott zu wenden. Den christlichen Leser aber bitten wir, eine tiefere Bekanntschaft mit dem Gott zu suchen, zu dem er durch die Gnade bekehrt worden ist. Während wir diese Seiten über das großartige Thema der „Bekehrung“ schreiben, haben wir zwei Dinge vor Augen. Wir können in Wahrheit sagen, dass wir uns danach sehnen, wertvolle Seelen zu Gott bekehrt und bekehrte Seelen fröhlich in Gott zu sehen.

Wir fühlen mehr und mehr, wie nötig es ist, dass die Christen in ihrem täglichen Leben beweisen, dass sie in Gott vollkommene Ruhe für ihr Herz gefunden haben. Dies ist im Umgang mit der Welt sehr wichtig. Es ist ein großer Gewinn, wenn wir durch die Gnade befähigt sind, der Welt zu sagen, dass wir unabhängig von ihr sind; aber wir können dies nur, wenn wir uns stets bewusst sind, was wir in Gott haben. Dies verleiht unserem ganzen Verhalten eine moralische Kraft. Es befreit uns völlig von unserer Neigung, uns auf menschliche Stützen zu lehnen und zu menschlichen Hilfsquellen unsere Zuflucht zu nehmen. Wir haben uns hierin wohl alle mehr oder weniger anzuklagen; wie sicher führt das zu Enttäuschung für uns und Unehre für Gott.

Wie sehr sind wir geneigt, bei unseren Mitmenschen Hilfe, Rat und Trost zu suchen, statt unsere Blicke sogleich und ausschließlich auf Gott zu richten! Dies ist bei uns ein ernster Fehler. Dem Grundsatz nach vergessen wir dann die Quelle des lebendigen Wassers und hauen uns geborstene Zisternen aus, die kein Wasser halten (Jer 2,15). Was haben wir zu erwarten? Was muss die Folge sein? Trockenheit und Dürre. Unser Gott wird in seiner großen Treue erlauben, dass unsere Mitmenschen uns im Stich lassen, um uns dadurch zu zeigen, wie töricht es ist, sich auf einen Arm von Fleisch zu stützen.

Hören wir, was der Prophet über diese wichtige Frage in Bezug auf unseren praktischen Wandel sagt:

  • Jer 17,5-8: So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf den Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht und dessen Herz von dem HERRN weicht! Und er wird sein wie ein kahler Strauch in der Steppe und nicht sehen, dass Gutes kommt; und an dürren Orten in der Wüste wird er wohnen, in einem salzigen und unbewohnten Lande. Gesegnet“ – beachten wir wohl diesen großen Gegensatz – „ist der Mann, der auf den HERRN vertraut und dessen Vertrauen der HERR ist! Und er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt und sich nicht fürchtet, wenn die Hitze kommt. Und sein Laub ist grün, und in einem Jahr der Dürre ist er unbekümmert, und er hört nicht auf, Frucht zu tragen.

Es ist überaus gut, sich auf den Arm des lebendigen Gottes zu stützen, zu allen Zeiten, an allen Orten und unter allen Umständen seine Zuflucht und Hilfe in Ihm zu finden. Er täuscht nimmermehr ein Herz, das auf Ihn vertraut. Er wird uns nie im Stich lassen. Vielleicht hält Er es für gut, uns eine Zeitlang auf die Beantwortung unseres Rufens warten zu lassen; aber die Zeit, die wir im Warten zubringen, ist wohl verbracht, und wenn die Antwort dann kommt, so sind unsere Herzen mit Lob und Dank erfüllt, und wir sind fähig, zu sagen: „Wie groß ist deine Güte, die du aufbewahrt hast denen, die dich fürchten; gewirkt für die, die Zuflucht zu dir nehmen angesichts der Menschenkinder“ (Ps 31,20)!

Es ist eine herrliche Sache, fähig zu sein, angesichts der Menschenkinder auf Gott zu vertrauen und seine Allgenugsamkeit für alle unsere Bedürfnisse zu bekennen. Doch dies muss eine Wirklichkeit und nicht ein bloßes Bekenntnis sein. Es hat keinen Wert, davon zu reden, dass wir uns auf Gott stützen, wenn wir zu gleicher Zeit in der einen oder anderen Weise auf einen armen Sterblichen blicken, um von ihm Hilfe zu erlangen. Aber wie oft betrügen wir uns leider  in dieser Weise! Während wir die Sprache des Vertrauens auf Gott reden, blicken wir auf einen Menschen und tun ihm unsere Bedürfnisse kund. Wir täuschen uns selbst und verunehren Gott; und das Ende ist immer Enttäuschung und Beschämung des Angesichts.

Was bedeutet es auf Gott zu vertrauen?

Erwägen wir diese Sache mit allem Ernst und mit aller Aufrichtigkeit, mein lieber christlicher Leser! Lasst uns die wahre Bedeutung jener wichtigen Worte „zu Gott bekehrt“ zu verstehen suchen! Sie enthalten, wenn wir so sagen dürfen, das eigentliche Wesen wahrer Glückseligkeit und Heiligkeit. Wenn das Herz in Wahrheit zu Gott bekehrt ist, hat es das göttliche Geheimnis des Friedens, der Ruhe und der vollkommensten Befriedigung entdeckt; es findet sein Alles in Gott.

Befinde ich mich in irgendeiner Schwierigkeit? Ich kann zu Gott aufschauen, um von Ihm geleitet zu werden. Er hat verheißen, mich mit seinen Augen zu leiten. Und was für ein vollkommener Führer ist Er! Können Menschen mir Besseres tun? Mit Sicherheit nicht! Er sieht das Ende von Anfang an. Er kennt alle meine Verhältnisse und Beziehungen. Er ist ein untrüglicher Führer. Seine Weisheit kann nie irren, und überdies liebt Er mich vollkommen. Wo könnte ich einen besseren Führer finden?

Bin ich in Not? Ich kann damit zu Gott gehen. Er ist der Besitzer des Himmels und der Erde. Die Schätze des Weltalls stehen zu seiner Verfügung. Er kann mir helfen, wenn Er es für gut befindet; und wenn dies nicht der Fall ist, so wird die Trübsal viel besser für mich sein als die Befreiung von ihr. „Mein Gott aber wird euch alles Nötige geben nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus“ (Phil 4,19). Ist das nicht genug?

Menschliche Hilfsquellen

Warum sollte ich mich nach menschlichen Hilfsquellen umsehen? Warum sollte ich mich von so einem Gott abwenden und mit meinen Bedürfnissen zu einem menschlichen Wesen gehen? Das bedeutet in der Realität, den Boden des Glaubens und das Leben in einfacher Abhängigkeit von Gott aufzugeben. Genau genommen ist es eine Verunehrung unseres Vaters.

Wenn ich einen Freund um Hilfe ersuche, ist das gleichbedeutend damit, zu sagen, dass Gott mich enttäuscht hat. Es ist ein Betrug an meinem liebenden Vater, der mich mit Leib, Seele und Geist aufgenommen hat, um für mich für Zeit und Ewigkeit zu handeln. Gott hat sich verpflichtet, für alle meine Bedürfnisse, seien sie noch so groß, noch so zahlreich und mannigfaltig, zu sorgen. „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: Wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“

Aber manchmal hören wir Leute sagen, dass der Herr ihnen aufgetragen oder es auf ihre Herzen gelegt hat, sich an menschliche Hilfsquellen zu wenden. Das ist tatsächlich sehr fragwürdig. Es ist keineswegs wahrscheinlich, dass unser Gott uns jemals dahin leiten würde, die Quelle lebendigen Wassers zu verlassen und uns an einer löcherigen Zisterne zu bedienen. Sein Wort ist: „Rufe mich an am Tag der Bedrängnis: Ich will dich erretten, und du wirst mich verherrlichen!“ (Ps 50,15).

Sicher gebraucht Gott seine Geschöpfe als Werkzeuge, um uns in Zeiten der Not zu helfen; aber das ist etwas ganz anderes. Der Apostel konnte sagen: „Der aber die Niedrigen tröstet, Gott, tröstete uns durch die Ankunft des Titus“ (2Kor 7,6). Paulus erwartete Trost von Gott, und Gott sandte Titus, um ihn zu trösten. Hätte Paulus auf Titus geblickt, so wäre er sicher getäuscht worden.

So ist es stets. In allen unseren Schwierigkeiten und Nöten sollte daher unser Auge einzig und allein auf Gott gerichtet sein. Wir haben uns von den Götzenbildern „zu Gott“ bekehrt, und Er sollte in allen Umständen unser einziger Zufluchtsort sein. Wir können uns zu Ihm wenden um Rat, um Hilfe, um Leitung, um Mitleid, mit einem Wort, um alles, was wir bedürfen. „Nur auf Gott vertraue still meine Seele, denn von ihm kommt meine Erwartung. Nur er ist mein Fels und meine Rettung, meine hohe Festung; ich werde nicht wanken“ (Ps 62,6.7).

Aber, möchte jemand fragen, wird nicht diese Gewohnheit, auf Gott allein zu blicken, uns dazu bringen, die Kanäle, durch die seine Gnade uns zufließt, zu unterschätzen? Gerade das Gegenteil. Wie könnte ich jemanden unterschätzen, der geradewegs von Gott zu mir kommt, um als sein Werkzeug meine Bedürfnisse zu stillen? Unmöglich. Ich schätze ihn als einen Kanal, jedoch ohne mich zu ihm als zu einer Hilfsquelle zu wenden. Dies macht den ganzen Unterschied aus. Wir dürfen nie vergessen, was wahre Bekehrung bedeutet; wir sind zu Gott gebracht; und es ist äußerst sicher, dass wir, wenn wir zu Gott gebracht wurden, dorthin kamen, um in Ihm einen vollkommenen Schutz für unsere Augen zu finden, ein vollkommenes Ziel für das Herz, einen vollkommenen Reichtum in all unseren Notlagen, von der ersten bis zur letzten Notlage. Eine wirklich bekehrte Seele hat sich von allem Vertrauen auf Geschöpfe, menschlichen Hoffnungen und weltlichen Erwartungen abgewandt, um alles, was sie bedarf, in dem lebendigen und wahren Gott zu finden – und das für immer.

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Aus Botschafter des Heils in Christo
Ergänzungen nach dem Original „Conversion: What is it?“
aus Miscellaneous Writings, Bd. 3

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz

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