Was ist Bekehrung? (6)
Wie lebt ein Bekehrter?

Charles Henry Mackintosh

© SoundWords, online seit: 11.09.2016, aktualisiert: 10.09.2018

Kann ich in meinem Beruf Gott dienen?

Wir gehen jetzt dazu über, die praktische Seite unseres Gegenstandes zu betrachten. Sie ist in den Worten enthalten „dem lebendigen und wahren Gott zu dienen“. Dies ist für jeden Gläubigen sehr von Bedeutung. Wir sind berufen, „zu dienen“. Unser ganzes Leben, von dem Augenblick unserer Bekehrung bis zum Ende unserer irdischen Laufbahn, sollte durch den Geist eines wahren, ernsten und einsichtsvollen Dienstes gekennzeichnet sein. Dies ist unser hohes Vorrecht, ja unsere heilige Pflicht. Es macht nichts aus, wie groß oder klein der Kreis unserer Tätigkeit ist oder was für einen Lebensberuf wir haben; sind wir bekehrt, so haben wir eins zu tun, nämlich Gott zu dienen. Sollte es etwas in unserem Beruf geben, das mit dem geoffenbarten Willen Gottes und der unmittelbaren Belehrung seines Wortes im Widerspruch steht, so müssen wir dies aufgeben, koste es, was es wolle. Der erste Schritt eines gehorsamen Dieners besteht darin, eine falsche Stellung zu verlassen, sich abzuwenden von dem Bösen.

Stell dir beispielsweise den Eigentümer einer Kneipe vor, der sich zu Gott bekehrt. Was wird er tun? Kann er mit solch einem Gewerbe fortfahren? Kann er mit einem solchen Beruf in Gottes Nähe bleiben? Kann er damit fortfahren, zu verkaufen, was Ruin, Not, Erniedrigung, Tod und Verderben über Tausende und Hunderte von Tausenden bringt? Kann er wohl dem lebendigen und wahren Gott an der Bar einer Kneipe dienen?

Das können wir nicht glauben. Man wird uns unterstellen, wir seien hart, streng und engstirnig, wenn wir so etwas schreiben. Aber wir können nicht anders. Wir müssen das schreiben, von dem wir glauben, dass es die Wahrheit ist. Wir sind überzeugt, dass die erste Handlung eines sich bekehrenden Besitzers einer Kneipe sein muss, seinen Laden zu schließen und einem solchen gottlosen und schrecklichen Beruf mit aller Entschiedenheit den Rücken zuzukehren. Davon zu reden, in einem solchen Beruf Gott zu dienen, ist nach unserem Dafürhalten eine elende Täuschung. [Anm. der Red.: Vielleicht besteht aber auch die Möglichkeit, die Kneipe in ein Restaurant umzuwandeln.]

Ohne Zweifel wird das auch über viele andere Berufe zu sagen sein, so dass der Leser bewegt wird zu fragen: „Was hat ein Christ dann zu tun? Wie kann er das herausfinden?“ Unsere Antwort ist einfach: Wir sind berufen, Gott zu dienen, und alles muss mit diesem Maßstab gemessen und geprüft werden. Der Christ hat sich nur die eine Frage vorzulegen: „Kann ich die Pflichten, die mit meiner Stellung verbunden sind, erfüllen zur Verherrlichung Gottes?“ Wenn nicht, so muss er sie aufgeben. Wenn wir den Namen Gottes mit unserem Beruf nicht verbinden können, so müssen wir – wenn wir mit Gott unseren Weg gehen möchten und Ihm wohlgefällig zu leben wünschen – den Beruf verlassen und Gott bitten, dass Er uns einen Pfad öffne, auf dem wir zu seiner Ehre den Weg gehen können.

Er wird dies tun, gelobt sei sein Name! Er lässt eine Seele, die auf Ihn vertraut, nie zuschanden werden. Alles, was wir zu tun haben, ist, uns mit Herzensentschluss an Ihn zu klammem, und Er wird den Weg für uns bahnen. Der mag uns eng, rau und einsam scheinen, doch unsere einfache Aufgabe ist, vor Gott zu stehen und nicht eine Stunde lang mit etwas in Verbindung zu bleiben, das mit seinem geoffenbarten Willen im Widerspruch steht. Ein zartes Gewissen, ein einfältiges Auge und ein unterwürfiges Herz werden manche Frage entscheiden, manche Schwierigkeit lösen und manches Hindernis aus dem Wege räumen. Schon die Triebe der göttlichen Natur werden, wenn wir ihnen nur erlauben zu wirken, uns aus mancher Verlegenheit heraushelfen. „Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein“ (Mt 6,22). Wenn unser Herz warm für Christus und für seine Sache schlägt, für seinen Namen, für den Dienst Gottes, so schließt der Heilige Geist der Seele die vielfältigen Schätze göttlicher Offenbarung auf und ergießt eine Flut lebendigen Lichtes über das Verständnis, so dass wir den Weg des Dienstes so klar wie die Sonne vor uns sehen und ihn nur mit festem Tritt zu wandeln brauchen.

Wir dürfen für keinen Augenblick vergessen, dass wir bekehrt sind, um Gott zu dienen. Die Offenbarung des Lebens, das wir besitzen, muss stets die Form eines dem lebendigen und wahren Gott geweihten Dienstes annehmen. In unserem unbekehrten Zustand beteten wir Götzenbilder an und dienten wir mancherlei Lüsten und Vergnügungen; jetzt dagegen beten wir Gott an im Geist und sind berufen, Ihm aus allen Kräften zu dienen. Wir haben uns zu Gott bekehrt, um in Ihm unsere volle Ruhe und Befriedigung zu finden. Es gibt nicht eine einzige Sache im gesamten Spektrum des Grundbedarfes eines Geschöpfes in Zeit und Ewigkeit, die wir nicht in unserem eigenen unendlich gütigen Gott und Vater finden können. Er hat in Christus, dem Sohn seiner Liebe, alles niedergelegt, was die Wünsche des neuen Lebens in uns befriedigen kann. Es ist unser Vorrecht, durch den Glauben Christus in unseren Herzen wohnend zu haben und in Liebe gewurzelt und gegründet zu sein, damit wir völlig zu erfassen vermögen mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, auf dass wir erfüllt sein mögen zu der ganzen Fülle Gottes (Eph 3,17-19).

Das ganze Leben ein Dienst für Gott

So erfüllt, befriedigt und gestärkt, sind wir berufen, uns selbst mit Geist, Seele und Leib dem Dienst Christi zu weihen und fest, unbeweglich, allezeit überströmend zu sein in dem Werk des Herrn. Wir sollten nichts anderes in dieser Welt zu tun haben. Was nicht getan werden kann als ein Dienst für Christus, sollte ganz unterbleiben. Dies macht die Sache außerordentlich einfach. Es ist unser großes Vorrecht, alles im Namen des Herrn und zur Ehre Gottes zu tun. Man spricht zuweilen von einer weltlichen Berufung, im Gegensatz zu einer heiligen. Doch wir glauben nicht, dass es richtig ist, einen solchen Unterschied zu machen. Paulus machte Zelte und pflanzte Versammlungen, aber in beidem diente er dem Herrn Jesus.

Alles, was ein Christ tut, sollte heilig sein, weil es als ein Dienst für Gott getan wird. Würden wir hieran stets denken, so würde es uns befähigen, die allereinfachsten Pflichten unseres täglichen Lebens mit dem Herrn selbst in Verbindung zu bringen und allen Dingen, die wir von morgens bis in die Nacht herein tun, eine heilige Würde und heiliges Interesse zu verleihen. Wir würden, statt in den Pflichten unseres Berufs ein Hindernis für unsere Gemeinschaft mit Gott zu erblicken, sie zu einer Gelegenheit machen, um auf seine Unterweisung und Leitung zu warten und sie dann in einer Weise zu erfüllen, dass sein heiliger Name verherrlicht wird.

Dienst für Gott am Beispiel eines Dienstmädchens

Der Dienst Gottes ist in der Tat eine viel einfachere Sache, als wir oft denken. Er besteht nicht darin, dass wir große Taten ausführen, die über die Grenzen des uns von Gott angewiesenen Wirkungskreises hinausgehen. Nehmen wir als Beispiel ein Dienstmädchen. Wie kann sie dem lebendigen und wahren Gott dienen? Sie kann nicht umhergehen und Besuche machen, um dem einen oder anderen das Evangelium zu verkündigen. Ihr Wirkungskreis liegt im Haus ihres Arbeitgebers. Wenn sie anfinge, von Haus zu Haus zu laufen, so würde sie tatsächlich das ihr von Gott übertragene Werk vernachlässigen. Hören wir auf die folgenden Worte des Apostels:

  • Tit 2,9.10: Die Knechte ermahne, sich ihren eigenen Herren unterzuordnen, in allem  wohlgefällig zu sein, nicht widersprechend, nichts unterschlagend, sondern alle gute Treue erweisend, damit sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem.

Wir sehen hieraus, dass ein Diener durch Gehorsam, Demut und Ehrlichkeit die Lehre Gottes ebenso gut zieren kann wie ein Evangelist, der die ganze Welt bereist, um sich seines hohen und heiligen Auftrages zu entledigen.

Und weiter lesen wir:

  • Eph 6,5-8: Ihr Knechte, gehorchet den Herren nach dem Fleisch mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern als Knechte Christi, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut und mit Gutwilligkeit dient, als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass, was irgend ein jeder Gutes tun wird, er dies vom Herrn empfangen wird, er sei Sklave oder Freier.

Wie lieblich ist dies alles! Was für ein weites Feld eröffnen diese Worte für unseren Dienst! Aber wo finden wir heutzutage diese Einfalt des Herzens? Wo diese Furcht und dieses Zittern? Wo einen solch hingebenden Dienst? Wir entdecken doch leider allzu oft Hochmut, Eigenwillen, Selbstgefälligkeit und Eigennutz. Wie sehr müssen diese Dinge den Herrn verunehren und seinen Heiligen Geist betrüben! Möchten unsere Seelen zu einem tiefen Gefühl darüber erwachen, was solchen geziemt, die berufen sind, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen! Ist es nicht für jeden wahren Christen ein besonderer Beweis der Gnade Gottes, dass er Ihm dienen und Ihn verherrlichen kann, selbst in den gewöhnlichsten häuslichen Pflichten? Wäre es nicht so, was würde aus neunundneunzig unter hundert Christen werden?

Wir haben den Fall eines gewöhnlichen häuslichen Dieners gewählt, um diese besondere Seite der praktischen Verwirklichung der Wahrheit, die nun vor unseren Blicken steht, zu illustrieren. Ist es nicht unaussprechlich gesegnet für uns, zu wissen, dass unser Gott sich in seiner Gnade herablässt, seinen Namen und seine Herrlichkeit mit den niedrigsten Pflichten zu verbinden, die in unserem gewöhnlichen Familienleben auf uns ruhen? Dies verleiht allem, was wir tun, von morgens früh bis abends spät, wahres Interesse und eine ungeahnte Bedeutung.

  • Kol 3,23.24: Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus.

Hierin liegt das wertvolle Geheimnis der ganzen Sache. Es ist keine Arbeit für Lohn, aber ein Dienst für den Herrn Jesus Christus und ein Hinschauen auf ihn, um die Belohnung des Erbes zu empfangen.

Möchte es mehr unter uns verwirklicht und offenbart werden! Was für eine moralische Kraft würde das dem ganzen christlichen Leben verleihen! Was für eine triumphierende Antwort würde es auf alle die Spötteleien und Spitzfindigkeiten des Unglaubens geben! Es hätte weit mehr Kraft als zehntausend der gelehrtesten Beweisgründe. Kein Beweis ist so kräftig und schlagend als das ernste, ergebene, heilige und aufopfernde Leben eines Christen, und ein solches Leben kann selbst durch eine Person geoffenbart werden, deren Wirkungskreis von den vier Wänden einer Küche begrenzt wird.

(Es ist bemerkenswert, dass sowohl in Epheser 6 als auch in Kolosser 3 der an Diener geschriebene Abschnitt weit ausführlicher ist als die Abschnitte für alle anderen Klassen. In Titus 2 finden wir nur Diener. Es gibt keine Anweisungen für Ehemänner, keine für Herren, keine für Kinder. Wir wollen das nicht erklären, aber wir kommen nicht umhin, es als eine sehr interessante Tatsache wahrzunehmen; und mit Sicherheit lehrt es uns, welch besonders wichtiger Platz in der Christenheit für jemanden vorgesehen ist, der in den frühen Tagen der Kirchengeschichte den Platz eines Dieners einnahm. Der Heilige Geist wendet besondere Mühe auf, einer solchen Person mitzugeben, wie sie sich in einer so versuchenden Arbeitsumgebung bewegen kann. Der arme Sklave könnte sich selbst als vom Dienst für Gott ausgeschlossen betrachten. Weit gefehlt, ihm wird liebevoll beigebracht, dass er dadurch, dass er einfach seine Pflicht erfüllt, aus Gottes Sicht die Lehre von Gott dem Retter schmücken kann und dem Namen Jesu Ehre macht. Nichts kann die Gnade, die daraus scheint, übersteigen.)

Es handelt sich nicht darum, was ich tue, sondern wie ich es tue

Das praktische Leben eines wahren Christen liefert aber nicht nur die beste Antwort auf die Spötteleien des Ungläubigen und die Einwürfe des Zweifelsüchtigen, sondern es begegnet auch in umfassender Weise den Behauptungen solcher, die den Christen unter das Gesetz bringen wollen. Wenn man uns vorwirft, dass wir nicht zu Werken anspornen und darüber predigen, so fragen wir einfach: Wozu sollen wir dies tun? Der unbekehrte Mensch kann gar keine Werke tun, ausgenommen „böse Werke“ oder „tote Werke“. Alle seine Gedanken, Worte und Werke verdienen die ewige Pein und das Feuer, das nie erlischt. „Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen“ (Röm 8,8). Welchen Zweck könnte es haben, solche „Werke“ zu verkündigen? Es kann sie nur irreführen, täuschen und verblenden und schickt sie mit einer Lüge in ihrer rechten Hand in die Hölle.

Eine wahre Bekehrung zu Gott muss stattfinden. Sie ist vom Ersten bis zum Letzten ein göttliches Werk. Aber was hat der also Bekehrte denn zu tun? Er hat gewiss nicht zu wirken, um das Leben zu erlangen, denn er besitzt das ewige Leben als die freie Gabe Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus. Er hat nicht zu wirken, um errettet zu werden, denn er ist schon errettet für alle Ewigkeit. Wozu ist er denn berufen? „Um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.“ Worin, wann und wo? In allen Dingen, zu allen Zeiten und an allen Orten. Der Bekehrte hat nichts anderes zu tun, als Gott zu dienen. Wenn er etwas anderes tut, so erweist er sich untreu gegen seinen Herrn und Meister, der ihn, bevor Er ihn zum Dienst berief, mit dem Leben, der Gnade und der Kraft ausrüstete, wodurch der Dienst allein ausgeübt werden kann.

Ja, mein lieber Leser, der Christ ist berufen, zu dienen. Lasst uns dies nie vergessen. Er hat das Vorrecht, seinen Leib darzustellen als ein lebendiges Schlachtopfer, heilig, Gott wohlgefällig, was sein vernünftiger Dienst ist (Röm 12,1). Dies räumt alle Schwierigkeiten weg, bringt alle Einwürfe zum Schweigen und stellt alles an seinen richtigen Platz. Es handelt sich nicht darum, was ich tue, sondern wie ich es tue, nicht darum, wo ich mich befinde, sondern wie ich mich verhalte. Das Christentum, wie es im Neuen Testament entfaltet wird, ist der Ausdruck des Lebens Christi in dem Gläubigen, es ist Christus, dargestellt durch die Macht des Heiligen Geistes im täglichen Leben des Christen. Alles, was mit dem Christen in Beziehung steht, alles, was er sagt und tut, sein gesamtes praktisches Leben, vom Morgen des Tages des Herrn bis Samstagnacht, sollte den Abdruck und den Geist dieses großartigen Satzes tragen, bei dem wir verweilt haben – „dem lebendigen und wahren Gott zu dienen“.

Möge es mehr und mehr so sein! Mögen alle die vom Herrn Geliebten, egal wo, wirklich dazu angefacht werden eine ernstere, vollkommenere und von ganzem Herzen gelebte Begeisterung für Christus und seinen wertvollen Dienst zu suchen.

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Aus Botschafter des Heils in Christo
Ergänzungen nach dem Original „Conversion: What is it?“
aus Miscellaneous Writings, Bd. 3

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz

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