Was ist Bekehrung? (4)
Wovon wir uns wegbekehren müssen

Charles Henry Mackintosh

© SoundWords, online seit: 10.09.2016, aktualisiert: 16.07.2018

Die beiden letzten Verse unseres Kapitels erfordern unsere besondere Aufmerksamkeit:

1Thes 1,9.10: Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn.

Sie liefern uns eine bemerkenswerte Erklärung des wahren Charakters der Bekehrung. Sie zeigen sehr treffend die Tiefe, Klarheit, Fülle und das Wesen der Arbeit des Geistes Gottes in den bekehrten Thessalonichern. Dort gab es keine Zweifel. Die Arbeit empfahl sich selbst. Es war keine Arbeit mit Unsicherheiten. Eine sorgfältige Prüfung war nicht notwendig, damit die Arbeit anerkannt werden konnte. Es war eine klare, unmissverständliche Arbeit Gottes, deren Früchte für alle offensichtlich waren.

Hier haben wir also eine göttliche Beschreibung der Bekehrung: kurz, aber umfassend und erschöpfend. Die Thessalonicher hatten sich bekehrt von den Götzenbildern. Sie hatten vollständig mit der Vergangenheit gebrochen und sich ein für alle Mal von ihrem früheren Leben und ihren Gewohnheiten abgewandt und alle jene Dinge aufgegeben, die einst ihre Herzen beherrscht und ihre Kräfte in Anspruch genommen hatten. Diese lieben Thessalonicher waren dahin gebracht worden, im Licht der göttlichen Wahrheit ihr ganzes ehemaliges Leben zu verurteilen, und nicht nur zu verurteilen, sondern es auch ohne Verzug zu verlassen. Es war kein halbes Werk. Es war ein bestimmt bezeichneter Abschnitt in ihrer Geschichte, ein großer Wendepunkt in ihrem moralischen und praktischen Leben. Es war nicht eine bloße Meinungsänderung, die Annahme neuer Grundsätze oder die bestimmte Änderung einiger ihrer intellektuellen Ansichten. Es war die ernste Entdeckung, dass ihr gesamter bisheriger Werdegang eine große, dunkle und ungeheuerliche Lüge gewesen war. Es war die echte Überzeugung des Herzens. Göttliches Licht war in ihre Seelen gebrochen, und in der Kraft dieses Lichtes richteten sie sich selbst und alles, was zu ihrer vorherigen Geschichte gehörte. Da war ein völliges Aufgeben der Welt, die bisher die Zuneigung ihrer Herzen in Anspruch genommen hatte; nicht ein Funke davon sollte verschont werden.

Bekehrung nicht durch Menschenwerk

Und was, könnten wir fragen, brachte diese wunderbare Veränderung hervor? Einfach das Wort Gottes, das in der mächtigen Kraft des Heiligen Geistes ihren Seelen nahegebracht worden war. Wir haben uns auf den inspirierten Bericht des Besuches des Apostels in Thessalonich bezogen. Es wird uns mitgeteilt, dass „er sich mit ihnen aus den Schriften unterredete“ (Apg 17,2). Er trachtete danach, ihre Seelen in direkten Kontakt mit dem lebendigen und ewigen Wort Gottes zu bringen. Da gab es nicht die Notwendigkeit, an ihren Gefühlen und ihrer Phantasie zu arbeiten. All das wurde von dem gesegneten Arbeiter als völlig wertlos eingeschätzt. Er hatte kein Vertrauen dazu. Seine Sicherheit lag im Wort und im Geist Gottes. Er versichert den Thessalonichern genau diese Tatsache in berührendster Weise in 1.Thessalonicher 2: „Darum“, sagt er, „danken wir auch Gott unablässig, dass, als ihr von uns das Wort der Kunde Gottes empfinget, ihr es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort, das auch in euch, den Glaubenden wirkt“ (1Thes 2,13).

Genau das würden wir als essentiellen und grundlegenden Punkt bezeichnen. Das Wort Gottes, und nichts anderes als das, brachte durch die Macht des Heiligen Geistes jene großen Resultate bei den Thessalonichern hervor, Resultate, die das liebende Herz des Apostels mit aufrichtiger Dankbarkeit erfüllten. Er freute sich, dass sie nicht mit ihm, sondern mit dem lebendigen Gott selbst, und zwar mittels seines Wortes, in Verbindung gebracht worden waren. Dies ist ein unzerreißbares Band; es ist so fest und unwandelbar wie das Wort selbst. Das Wort des Menschen vergeht wie er selbst, aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Der Apostel, als ein treuer Arbeiter, verstand und fühlte dies, und daher war es seine stete Besorgnis, dass die Seelen sich nicht in irgendeiner Weise auf ihn stützen und verlassen möchten, sondern auf den Einen, dessen Bote und Diener er war.

Hören wir, was er zu den Korinthern sagt: „Und ich, da ich zu euch kam, Brüder, kam nicht nach Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit, euch das Zeugnis Gottes verkündigend. Denn ich hielt nicht dafür, etwas unter euch zu wissen, als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und in vielem Zittern; und meine Rede und meine Predigt war nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht beruhe auf Menschenweisheit, sondern auf Gotteskraft“ (1Kor 2,1-5).

Hier haben wir wirklich wahren geistlichen Boden ­– „das Geheimnis Gottes“ und „in Erweisung des Geistes“ –: das Wort und der Heilige Geist. Nichts anderes ist von irgendwelchem Wert. Jeder rein menschliche Einfluss, menschliche Kraft und die Ergebnisse die durch menschliche Weisheit und Energie produziert werden sind vollkommen wertlos – ja sogar schädlich. Der Arbeiter ist durch die scheinbaren Ergebnisse seiner Arbeit, die öffentlich vorgeführt und besprochen werden, aufgeblasen, während die armen Seelen, auf die dieser falsche Einfluss ausgeübt wird, betrogen und in eine völlig falsche Position und Überzeugung geleitet werden. In einem Wort: Die ganze Sache ist bis aufs Äußerste katastrophal.

Ganz anders ist es, wenn das Wort Gottes, in seiner mächtigen moralischen Kraft, und die Energie des Heiligen Geistes, zusammenkommen, um auf dem Herzen und dem Gewissen zu lasten. Dann sehen wir göttliche Ergebnisse, wie es im Fall der Thessalonicher war. Dann wird in der Tat und über allen Zweifel erhaben deutlich, wer der Arbeitende ist. Es ist nicht Paulus oder Apollos oder Kephas, sondern Gott selbst, dessen Arbeit sich selbst bestätigt und für immer bestehen wird; alle Ehre seinem heiligen Namen! Der Apostel hatte nicht nötig, die Ergebnisse seiner oder besser gesagt Gottes Arbeit durch ihn vorzurechnen und zu veröffentlichen. Sie redete für sich selbst. Sie war göttlich. Sie trug mit unmissverständlicher Deutlichkeit Gottes Siegel und das war für Paulus genug; und es ist bei weitem genug für jeden treuen und selbstlosen Arbeiter.

Vom Götzendienst befreit

Der Apostel Paulus hatte, wie wir bereits gesehen haben, den Thessalonichern das Wort Gottes in lebendiger Kraft verkündigt, und der Heilige Geist hatte dem Wort Eingang in ihre Herzen verschafft. Es fiel auf einen guten Boden, schlug Wurzel und trug hundertfältige Frucht. Und worin bestand diese?

1Thes 1,9: Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt.

In diesem einen Wort „Götzenbilder“ ist das ganze Leben von jedem unbekehrten Menschen, der auf der Erde lebt, dargestellt. Um ein Götzendiener zu sein, ist es nicht notwendig, sich vor einem Stück Holz oder einem Stein niederzubeugen. Alle die zahllosen nichtigen Dinge, die das menschliche Herz erfüllen und regieren, sind Götzenbilder, und jeder, der sein Herz an solche Dinge hängt, ist ein Götzendiener. So lautet das klare, bestimmte Zeugnis der Heiligen Schrift.

Der Götze Geld

Denken wir nur an die eine so allgemein herrschende Sünde, „die Habsucht“. Welch einen Namen gibt ihr der inspirierte Apostel? Er nennt sie „Götzendienst“. Wie viele unzählige Herzen werden beherrscht durch das Geld!

Wie viele Anbeter beugen sich vor dem goldenen Götzen in den Staub nieder! Was ist Habsucht? Es ist einesteils der Wunsch, immer mehr zu haben, und anderenteils die Liebe zu dem, was man bereits besitzt. Wir finden sie in diesen beiden Formen im Neuen Testament. Im Griechischen gibt es Worte, um beides zu beschreiben. Aber ob es die Gier danach ist, zu sammeln, oder die Gier, zu horten, es ist in jedem Fall Götzendienst.

Dennoch können sich diese beiden Zustände in ihrer äußeren Entwicklung sehr voneinander unterscheiden. Die Geldgier, das heißt der Wunsch, immer mehr zu besitzen, geht nicht selten gepaart mit der Bereitwilligkeit und Geneigtheit, auszugeben; die Geldliebe dagegen ist gewöhnlich verbunden mit dem glühenden Wunsch, zusammenzuscharren und aufzuhäufen. Da ist zum Beispiel ein Mann von großer kaufmännischer Tüchtigkeit. In seinen Händen scheint alles zu gedeihen. Er ist, wie man zu sagen pflegt, mit Leib und Seele Kaufmann. Sein einziger Gegenstand, das einzige Ziel, nach dem er strebt, ist, Geld zu verdienen, das eine Tausend dem anderen hinzuzufügen, sein Geschäft weiter und weiter auszudehnen und seinem Namen in der Geschäftswelt einen guten Klang zu machen. Er lebt und bewegt sich nur in der Atmosphäre des Handels.

Er begann seine Laufbahn mit einigen Pfennigen in der Tasche, und jetzt ist er einer der Ersten unter seinesgleichen. Er ist kein Knauser. Er ist ebenso bereit auszustreuen wie zusammenzubringen. Er lebt mit verschwenderischer Pracht, ist äußerst gastfrei und unterstützt freigebig alle die mannigfaltigen öffentlichen Anstalten usw. Er wird geachtet von allen Klassen der menschlichen Gesellschaft. Aber sein Streben ist darauf gerichtet, mehr zu bekommen: Er ist ein habsüchtiger Mann, ein Götzendiener.

Tatsächlich verachtet er den armen Geizhals, der seine Nächte über seine Geldbeutel gebeugt verbringt, „sonderbare Gemeinschaft mit seinem Gold pflegt“, wie es der Dichter Robert Pollock formuliert hat; der sein Herz an und seine Augen mit dem Anblick des faszinierenden Glanzes erfreut und sich selbst und seiner Familie dabei die allgemein notwendigen Dinge des Lebens versagt; der lieber in Lumpen und Elend einhergeht, als auch nur einen Cent seines wertvollen Schatzes auszugeben; der Geld liebt, nicht dafür, was man dafür bekommen kann oder was es gibt, sondern einfach um des Geldes selbst willen; der liebt anzusammeln, nicht um auszugeben, sondern um zu horten; dessen einziges beherrschendes Begehren ist, in einem Haufen elenden Glanzes zu sterben – befremdliches und verachtenswertes Bestreben! [Anm. der Red.: Heute wäre es wohl der, der die Bankkonten wachsen und die Immobilien sich mehren sehen will.]

Diese beiden Personen sind anscheinend sehr voneinander verschieden, und dennoch stehen sie vor Gott auf ein und demselben Boden, sie lieben und begehren ein und dieselbe Sache: das Geld; sie sind beide Götzendiener. [Die beiden griechischen Wörter, auf die wir uns im Text bezogen haben, sind: pleonexia = das Begehren, mehr zu bekommen; und philarguria = die Geldliebe. Es ist die Erstere, die in Kolosser 3,5 auftaucht: „Habsucht, die Götzendienst ist“; und da steht es nun in der schrecklichen Kategorie, gemeinsam mit einigen der abscheulichsten Sünden, die die Seiten der Geschichte des Menschen färben.] Dies mag hart und streng klingen, aber es ist die Wahrheit Gottes, und wir müssen uns beugen vor ihrer heiligen Autorität. Es hält unendlich schwer, das Gewissen des Menschen von der Sünde der Habsucht zu überzeugen, von der Sünde gerade, die der Heilige Geist für Götzendienst erklärt. Tausende würden sich keinen Augenblick besinnen, diese Sünde einem Geizhals zur Last zu legen, aber sie würden es für ein großes Unrecht halten, wenn man auch jene zuerst beschriebene Person dieser Sünde beschuldigen wollte.

Es ist eine Sache, diese Sünde in andern zu sehen, aber es ist eine ganz andere, sie in uns selbst zu richten. Fakt ist, dass nur das in unsere Seelen scheinende Licht Gottes jede Kammer unseres moralischen Daseins durchdringt, uns dazu befähigt, die hässliche Sünde der Habsucht ausfindig zu machen. Das Jagen nach Gewinn, der Wunsch, immer mehr zu besitzen, die Begierde, in der Welt vorwärtszukommen und es zu etwas zu bringen, alles das wird von den Menschen im Allgemeinen so hoch geachtet, dass nur wenige fähig sind, zu sehen, dass es in den Augen Gottes ein Gräuel ist. Das menschliche Herz liebt und verehrt die Gegenstände, die es in der Welt findet, ja es betet sie an. Jedes Herz hat sein eigenes Götzenbild. Der Götze des einen ist das Geld, der des anderen das Vergnügen, wieder eines anderen Macht. Jeder unbekehrte Mensch ist ein Götzendiener; und dass selbst der Gläubige nicht außer dem Bereich abgöttischer Einflüsse steht, beweist die Warnung des Apostels Johannes: „Kinder, hütet euch vor den Götzen“ (1Joh 5,21)!

Wie groß ist der Unterschied zu einem Weltmenschen?

Leser, wirst du uns erlauben, dir, bevor wir fortfahren, eine einfache und gezielte Frage zu stellen? Bist du bekehrt? Bekennst du es, zu sein? Nimmst du für dich in Anspruch, Christ zu sein? Wenn ja, hast du dich von den Götzen abgewandt? Hast du wirklich mit der Welt und deinem früheren Ich gebrochen? Hat das lebendige Wort Gottes dein Herz eingenommen und dich dahin gebracht, dein ganzes vorheriges Leben zu richten, egal ob es ein Leben des Frohsinns und der gedankenlosen Torheit oder ein Leben geschäftiger Geldmacherei oder ein Leben furchtbarer Last und furchtbaren Elends oder ein Leben rein religiöser Routine – christusloser, glaubensloser, wertloser Religion – gewesen ist?

Sag, wie sieht es aus? Sei gründlich und ernst. Sei versichert, diese Frage ist nicht nur unbedingt notwendig, es ist auch eine sehr ernste Frage. Wir können vor dir die Tatsache nicht verbergen, dass wir uns schmerzlich bewusst sind, dass vielfach echte Entscheidungen fehlen. Wir haben uns nicht mit ausreichender Betonung und Deutlichkeit von den Götzen abgewandt. Alte Gewohnheiten werden beibehalten; frühere Lüste und Gegenstände regieren das Herz. Die Launen, die Art, die Stimmung und das Benehmen zeugen nicht von Bekehrung. Wir sind traurigerweise unserem alten Ich und den offenen, zugegebenermaßen weltlichen Menschen um uns herum sehr ähnlich.

All das ist wirklich schrecklich. Wir fürchten, dass es ein trauriger Hinderungsgrund für die Verbreitung des Evangeliums und die Errettung von Seelen ist. Das Zeugnis kommt kraftlos in die Ohren derer, zu denen wir sprechen, weil es nicht so aussieht, als würden wir selbst das, worüber wir reden, wirklich glauben. Der Apostel könnte zu uns nicht das sagen, was er zu den lieben Thessalonichern sagte: „Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen …, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen“ (1Thes 1,8). Es liegt ein Bedürfnis nach Tiefe, Kraft und Ausprägung in unserer Bekehrung. Die Veränderung ist nicht ausreichend sichtbar. Selbst da, wo Arbeit ist, gibt es eine Laschheit, Schwäche und Unbestimmtheit, die wahrlich erbärmlich und entmutigend ist.

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Aus Botschafter des Heils in Christo
Ergänzungen nach dem Original „Conversion: What is it?“ aus Miscellaneous Writings, Bd. 3

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz

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