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Auszug aus "Das
Lukas-Evangelium (8)"
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Deshalb wird auch in unserem Evangelium berichtet, wie Er vom Sämann spricht,
denn tatsächlich war Er es, der damals den Samen des Wortes Gottes ausstreute.
Die Saat wird hier "Wort Gottes" genannt. Im Matthäusevangelium, wo dasselbe
Gleichnis steht und es das Reich der Himmel einführt, wird sie als das "Wort vom
Reich" bezeichnet (Mt. 13,19). In unserem Evangelium geht es, anders als bei
Matthäus, nicht um das Königreich. Nichts kann man einfacher erklären als den
Grund für diesen Unterschied. Wir müssen beachten, dass der Geist Gottes, wenn
Er berichtet, Sich nicht unbedingt auf die Worte beschränkt, die Jesus
aussprach. Das ist, wie ich denke, von nicht geringer Bedeutung für die richtige
Beurteilung der Bibel. Rechtgläubige Menschen verschließen sich manchmal in der
Vorstellung einer Vollinspiration gegen jede andere Auffassung. Sie verstehen
unter Inspiration einen Vorgang, der, nach meiner Meinung, ganz und gar
"automatisch" genannt werden muss. Sie denken, dass die Inspiration einzig und
allein die genauen Worte wiedergibt, die Christus äußerte. Mir scheint dafür
nicht die geringste Notwendigkeit vorzuliegen. Ganz gewiss gibt der Heilige
Geist die Wahrheit, und zwar die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Die
Unterschiede beruhen nicht auf Unvollkommenheit, sondern auf Seiner Absicht; und
was Er uns gegeben hat, ist unvergleichlich besser als ein reiner Bericht unter
Mithilfe vieler Menschen, die alle die gleichen Worte und Tatsachen erzählen
wollen. Nimm das Kapitel vor uns, um das, was ich sage, zu illustrieren!
Matthäus und ebenso Lukas geben uns dasselbe Gleichnis vom Sämann. Aber Matthäus
nennt es "das Wort vom Reich", während Lukas es als "das Wort Gottes"
bezeichnet. Der Herr Jesus mochte beide Ausdrücke in Seiner Predigt benutzt
haben. Ich verfechte nicht die Ansicht, dass Er es nicht tat. Doch ich halte
fest, dass es egal ist, ob Er beide Ausdrücke benutzte oder nicht. Auf jeden
Fall wollte es der Geist Gottes nicht, dass wir beide in demselben Evangelium
haben sollten, sondern handelte mit göttlicher Souveränität. Er erniedrigte die
Evangelisten nicht zu reinen Protokollierern von Worten, wie wir es bei der
sorgfältigen Arbeit eines Menschen antreffen. Ohne Zweifel ist es ihre Aufgabe,
sich die genauen Worte, die ein Mensch äußerte, zu beschaffen; doch keine Kraft
oder Person ist in dieser Welt fähig, den Willen Gottes auszuführen. Der Geist
Gottes jedoch kann mit mehr Freiheit handeln und diesen Teil einer Äußerung dem
einen Evangelisten geben und jenen Teil einem anderen. Folglich erklärt ein
automatisches System niemals die Inspiration. Ein solches findet sich dadurch
völlig widerlegt, dass nicht in allen Evangelien dieselben Worte überliefert
sind. Nimm Matthäus, der, wie wir vor kurzem gesehen haben, sagt: "Glückselig
die Armen" (Mt. 5,3)! Lukas schreibt: "Glückselig ihr Armen"
(Lk. 6,20). Das ist sofort eine unangenehme Schwierigkeit für dieses
automatische Schema der Inspiration. Es ist indessen keine für die, welche an
der Überlegenheit des Heiligen Geistes festhalten, der verschiedene Menschen als
Gefäße Seiner unterschiedlichen Absichten benutzte. In keinem Evangelium wird
versucht, alle Worte und Werke des Herrn Jesus wiederzugeben. Deshalb bezweifle
ich nicht, dass wir zwar in jedem Evangelium nichts als die Wahrheit lesen, aber
dennoch in keinem von ihnen und auch nicht in allen zusammen alles berichtet
finden. Darum ergibt sich die reichste Fülle der Darstellung allein aus der
Methode des Heiligen Geistes. Indem Er den absoluten Überblick über die ganze
Wahrheit hatte, gab Er die nötigen Worte am rechten Platz und durch die
geeignete Person, damit Er um so besser die Herrlichkeit des Herrn entfalten
konnte.
entnommen aus "Das
Lukas-Evangelium (8)"
Lectures Introductory to the Study of the Gospels, Heijkoop, Winschoten,
NL, 1970
(im Deutschen herausgegeben und übersetzt von J.
Das)
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